Montag, 29. August 2016

Blood Red Shoes, Köln, 27.08.16

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Konzert: Blood Red Shoes
Ort: Gloria, Köln (c/o pop)
Datum: 27.08.2016
Dauer: gut 80 min
Zuschauer: vielleicht 500 (nicht ausverkauft)



Einer der heißesten Tage des Sommers, eine Band, die ich tausendmal gesehen habe und an der ich in den letzten Jahren unbewußt das Interesse verloren habe, so richtig verlockend war die Idee nicht, zu den Blood Red Shoes ins Gloria zu gehen. 

Warum ich die einstige Lieblingsband aus den Augen verloren habe (und wann), weiß ich nicht mehr. Zuletzt hatte ich das Duo aus Brighton 2012 beim Maifeld Derby gesehen. Mich hatte das Konzert da ein wenig kalt gelassen (musste ich nachlesen). Kaltlassen wäre an diesem Tag gar nicht so verkehrt gewesen, viel riskieren konnte ich also nicht.

Der Einlaß war mit 19 Uhr erstaunlich früh angesetzt. Und um Punkt acht begann wie angekündigt der Support. Woher Bombay kommen, hatte ich gelesen, in der tropischen Hitze oder dem Hagelschauer aber wieder vergessen. Das Trio (Bassist, Gitarrist, Schlagzeugerin) hätte aus Nordengland stammen können - und von 2006. Die Stücke klangen gut, manchmal wie verschollene B-Seiten von Bloc Party, der Funke sprang bei mir aber nicht über. Irgendwann klärten Bombay auf, daß sie aus Amsterdam stammten. Ganz interessant war, daß Bombay die zigste Band mit einer singenden Schlagzeugerin sind, die ich dieses Jahr sehe. Ich glaube fast, in den letzten Monaten mehr Drummerinnen als Drummer gesehen zu haben.

Um neun war alles für Laura-Mary Carter und Steven Ansell fertig. Naja, fast alles. Irgendwann ging der Roadie an Stevens Schlagzeug und nahm die beiden Bierflaschen weg. Nur Cocos- und Wasserwasser blieben stehen. Man ist als regelmäßiger Konzertgänger ja einiges gewoht. Wenn kurz nach dem geplanten Beginn Alkohol weggenommen wird, ist das eher kein gutes Zeichen. Der Roadie ging aber in sein kleines Kämmerchen links neben der Bühne und kam mit einem großen Glas Jägermeister (oder Spezi - wir standen zu weit weg, um es zu erriechen). Puh!

Kurz danach kamen die beiden auf die Bühne und begannen mit den schönen Instrumentalstück Welcome home. Und das passte, willkommen zurück in meiner kleinen Konzertwelt, Blood Red Shoes, schön, daß ihr noch da seid!

Meine Geschichte mit den Blood Red Shoes ist bald zehn Jahre alt. Im März 2007 hatte ich auf Tipp aus Paris ein Ticket für das Konzert im Gebäude 9 gekauft. Wir waren damals 24 (incl. Band). Im Gloria war es auch nicht komplett ausverkauft, der Laden sah aber recht voll aus. 

Eigentlich wollte ich jetzt viel darüber schreiben, daß ich die meisten Lieder gar nicht kannte, da ich nur die ersten drei oder vier Platten der Band besitze. Allerdings erschien seit 2014 auch nichts Neues mehr, theoretisch hätte ich also alles kennen können. Das Album Blood Red Shoes (von 2014) habe ich zwar auch, ich habe es aber wohl (noch) nie gehört, kannte also einige der Stücke nicht. Normalerweise ist das dann ja so, daß man die bei Konzerten auch zwangsläufig doofer findet als die alten, vertrauten Lieblinge. Das ging mir hier ganz anders. Eines der stärksten Stücke war eines, das ich nicht kannte (also viertes Album). Leider war Mitschreiben im pogenden Mob nicht ganz einfach, ich bin nicht mehr sicher, welches es war.

Geändert hat sich an den Shows der Band nichts. Warum auch? Laura-Mary steht links, wandert ab und zu nach rechts zu Steven, der seitlich zum Publikum sitzt und seine Kollegin ansingt. Die Lieder beginnt er meist mit nach oben gestrecktem und um den Drumstick verlängerten Arm. Überraschend war deshalb nicht unbedingt etwas am Auftritt selbst sondern an der Wirkung: ich fand das Konzert richtig gut, ganz erstaunlich, wenn man eine Band vorher schon 12 oder 13 mal gesehen hat und irgendwann das Interesse verloren hat.

Auch wenn die neuen Stücke sehr gut waren (neu, haha!), war es schön, so alte Knüller wie Light it up oder It is happening again oder I wish I was someone better wieder einmal zu hören. Oder Colours fade, die zweite Zugabe, die das Konzert beendete, nachdem Speech coma davor von Laura ordentlich versaut worden war.

Neulich habe ich eine Diskussion bei Facebook verfolgt, in der es um die Relevanz nach längerer Pause zurückkehrende Bands ging. Nicht daß mir (der vor allem Sachen wie Lush, die Pale Saints aber auch die Darling Buds hört) Relevanz irgendwie wichtig wäre. Aber wenn ich es definieren müsste, wäre ein ältere Band relevant, wenn sie noch Spaß macht. Und nach der sehr cleveren Definition sind die Blood Red Shoes relevant wie 2007.


Eins hat sich seit meinem ersten BRS-Konzert verändert: es gibt mittlerweile klimatisierte Clubs, im Gloria war es angenehm kühl.

Setlist Blood Red Shoes, c/o pop, Gloria, Köln:

01: Welcome home
02: Light it up
03: The perfect mess
04: Don't ask
05: Everything all at once
06: This is not for you
07: Lost kids
08: It is happening again
09: Red River
10: Cigarettes in the dark
11: When we wake
12: Black distractions
13: An animal
14: Je me perds
15: Cold
16: I wish I was someone better

17: Speech coma
18: Colours fade

Links:

- aus unserem Archiv:
- Blood Red Shoes, Paris, 24.08.14
- Blood Red Shoes, Mannheim, 19.05.12
- Blood Red Shoes, Haldern, 14.08.10
- Blood Red Shoes, Köln, 23.03.10
- Blood Red Shoes, Paris, 09.12.09
- Blood Red Shoes, Frankfurt, 28.10.09
- Blood Red Shoes, Düsseldorf, 22.10.09
- Blood Red Shoes, Nijmegen, 19.07.09
- Blood Red Shoes, Köln, 04.11.08
- Blood Red Shoes, Highfield, 17.08.08
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07

Foto: Michael Graef
 


Edward Sharpe and the Magnetic Zeros, Köln c/o Pop, Philharmonie, 28.08.2016

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Konzert: Edward Sharpe and the Magnetic Zeros
Ort: Köln c/o Pop , Philharmonie
Datum: 28.08.2016
Dauer: 140min
Zuschauer: ca.1.400

Edward Sharpe in der Philharmonie ? Das klang zunächst komisch, ist die Musik der bunten Truppe um Sänger Alex Ebert doch eher zum Tanzen und Feiern geeignet. 

Trotzdem ist es immer wieder schön, in einem klimatisierten und bestuhlten Konzertraum seinen Platz einzunehmen. Die Stimmung ist einfach anders als in einer abgerockten Industriehalle.

Edward Sharpe taucht in Europa immer etwas unter dem Radar der großen Aufmerksamkeit. In den USA ist dies durch beständige Tourneen und dem Kontakt zu befreundeten Bands (z.B. Mumford and Sons - hier sei die fantastische DVD Tourfilm/Doku: "Big Easy Express" empfohlen) ganz anders.

Trotzdem werden auch hierzulande die Hallen immer größer, auch nach vier Jahren Tourpause und den neuen, weniger guten Platten fanden sich am heißen Sonntagabend genug Fans in der Philharmonie ein.

Live ist die Band immer dann am besten, wenn ihr der Spagat zwischen euphorischer Spontanität und zumindest ansatzweiser Perfektion gelingt. Die Versionen der CD`s dienen für den Konzertabend nur als loses Gefüge, immer wieder treibt es die Band in andere Richtungen und Arrangements, das kann auch mal etwas langatmig daherkommen.

Schon beim zweiten Stück des Abends aber gelingt einer dieser magischen Momente. Bei "Man on Fire" steht bereits der ganze Saal, es wird ausgiebig getanzt und Sänger Axel Ebert läuft bis in die entlegensten Ecken des riesigen Kuppelbaus, um fast jeden Fan einzeln zu begrüssen.

Die Band spielt einen Mix aus Gypsy und Folk, diverse Schlag- und Blasinstrumente kommen zum Einsatz und die Version sprengt sofort jedes eventuell erdachte Konzept. Sharpe ist bester Laune und, wie er am Ende zugeben wird, viel besser bei Stimme als bei den vorangegangenen Festivals.

Coverversionen, sonst immer fester Bestandteil der Show, sind heute kaum Thema, lediglich die bewährte "Instant Karma" Version von Lennon findet wieder ihren Platz als Mitsinghymne. 



Dafür gibt es heute aber viel Spontanes und selten Gehörtes. Wie eine komplette Version von "Let`s get high", die Sharpe eigentlich auf Grund der fehlenden Damenstimmen nicht präsentieren will. Da er seinem Pianospieler (Geburtstagskind) aber den Wunsch nicht abschlagen kann, lässt er sich überreden. 

Vorab gab es neben Glückwünschen schon eine liebenswerte Version von "The Bare Necesseties" (Versuchs mal mit Gemütlichkeit) aus dem Dschungelbuch mit ausgedehntem Pianosolo. Und so dreht sich die Uhr immer weiter, Song auf Song folgt.

Hits wie "Up from Below" wechseln sich ab mit langweiligeren, fast musicalartigen Stücken wie "Lullaby" , aber immer wieder zieht das Tempo an und den Saal in seinen Bann. 

Bei "Life is hard" ist dann eine Dame aus dem Publikum besonders gut vorbereitet und bietet sich zum Gesangsduett an. Sharpe bleibt cool, und hofft das Beste. Er wird nicht enttäuscht, der Gesang ist perfekt, der Text sitzt auch und unter großem Applaus eilt sie wieder zu ihrem Platz.

Mittlerweile sind mehr als zwei Stunden vergangen, doch dann winkt der Tourmanager energisch und verweist auf die zwingend einzuhaltende Sperrstunde.


Schade, da bricht eine Band aus dem normalen Festivalmodus aus, um ein Konzert ohne Zeitlimit spielen zu können, und dann ist doch wieder plötzlich Schluss. Also gibt es keine echte Zugabe, die Band bleibt einfach auf der Bühne, spielt noch den gepfiffenen Überhit "Home" und verabschiedet sich kurz darauf, sichtlich gerührt von einem begeisterten Publikum.

Die grenzenlose Energie der früheren Gigs (Tour 2009) kann die Band nicht mehr entfalten, trotzdem bleibt ein toller Abend in einem würdigen Saal, den man nicht hätte missen wollen. 

Fotos: Lowlands Festival 2016 - Michael Graef

Edward Sharpe and the Magnetic Zeros, Köln, 07.07.12 





Samstag, 27. August 2016

alínæ lumr Festival, Storkow, 26.08.16

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Erster Tag des Alínae Lumr Festivals 
   für mich mit Konzerten von LEA und Einar Stray Orchestra
Ort: Storkow
Datum: 26. August 2016
Dauer: 50 min + 45 min
Zuschauer: 50 und 300 (rammelvolle Kirche)



Wir hatten uns ein bisschen verschätzt mit unserer Fahrradtour, die wir so geplant hatten, dass sie rechtzeitig zum ersten Tag das Festivals alínae lumr in Storkow enden sollte: Wir waren etwas früh da. Aber so setzten wir uns in den Schatten am Markt und beobachteten das Schauspiel, wie unter einer gewissen Freitags-Nachmittags-Geschäftigkeit der Einheimischen die Stadt Storkow ganz sachte von den ALus übernommen wurde. Alles sympatisch, gesittet und geordnet und da wohl auch Petrus ein Ticket erworben hatte, war selbst das Wetter nur zum


Mit dem Beginn des ersten Konzerts des Programms am Mühlenfliess waren die Schatten schließlich auch lang genug, um sich ganz entspannt auf die Wiese zu lümmeln und LEA zuzuhören. Die mit ihrem letzten Lied so etwas wie den Spruch für das Festival ausgab: Nichts ist schöner als hier mit dir zu sein. Und das gilt nicht nur für Igel und Stachelschwein!


Ich hätte LEA normalerweise schon als Vorprogramm von Sóley am 26. Juli in Frankfurt erlebt. Aber dann war ich krank und konnte nicht fahren. Zwischenzeitlich hatte immerhin Oliver schon ein Statement abgegeben nach dem Treffen in Haldern. Ich war eigentlich nicht so sehr vor Ort, weil die Musik der jungen Frau so total meins ist. Sondern mehr, weil es als Auftakt für das Wochenende so gut passte.
 

Sonne, Wiese, voller Apfelbaum, dazu nette Leute ringsum und Liedtexte zwischen Melancholie und genauem hinschaun. Eine Stimme, die mich manchmal sehr berührte. Sympatisch und ehrlich wirkte das, auch gut gemacht. Sie berichtete von Kooperationen mit Nisse (für das Lied Dach) und Sebastian Madsen (für das Lied Staub) und tatsächlich hatte sie uns am Ende mit ihrem süßen und stachligen Liebeslied alle so weit, dass wir alle ein bisschen verliebt waren und noch eine Zugabe verlangten.


Setlist:
01: Vakuum
02: Kennst Du das
03: Wohin willst du
04: Dach
05: Du & Ich
06: Schwerelos
07: Staub
08: Applaus
09: Igel & Stachelschwein

10: Rückenwind (Z)


Anschließend hatte ich auf meinem privaten Programm den Markt, wo es (nachdem LEA ein wenig länger als ursprünglich geplant gespielt hatte) gleich Girlie geben würde (der Soundcheck hatte uns die letzten Songs auch schon ziemlich zerdonnert). Die hatten es aber nicht arg eilig mit dem Beginn und ich schwankte zwischen der Möglichkeit, mich auf der Burg umzusehen oder gleich mal auf die näher liegende Kirche umzuschwenken und letzteres gewann (auch dank einer gewissen Müdigkeit nach einem heißem Tag). In der Kirche war das Einar Stray Orchestra angesagt - mein am meisten herbeigesehntes Event für den ersten Tag in Storkow.
 

Es zeigte sich, dass die Besetzung diesmal ein Trio war, nämlich:
  Maja Gravoermoen Toresen: Violine & Gesang
  Ofelia Østrem Ossum: Cello & Gesang
  Einar Stray: Flügel & Gesang


Das Konzert begann ohne Gesang mit Teppet faller, wo die kammerkonzertanten Möglichkeiten des Settings gleich ganz und gar ausgepielt wurden. Die Kirche war bis in die Gänge hinein gefüllt mit sehr sehr aufmerksamen, leisen und schließlich enthusiastisch klatschendem Publikum.
 

Auffällig war für mich zunächst, dass Einars üblicher Sitztanz am Flügel nur halb so seltsam wirkte wie sonst am E-Piano. Direkt in der ersten Ansage thematisierte er die bittersüße Beziehung zu Kirchen und Religion. Für sie sei der Raum Kirche immer noch sehr heimatlich besetzt dabei aber der Missbrauch im Säen von Misstrauen zueinander ein verhasstes Ärgernis.



Ich freute mich auch sehr über eine weitere Möglichkeit, Pocket full of holes zu hören und ein bisschen mitzusingen. Die Blicke gingen in unserer Reihe hin und her, saßen doch zwei Leute bei mir, mit denen ich dieses Erlebnis beim Neujahrskonzert 2014 in Berlin hatte teilen dürfen, als das Lied zum ersten Mal live gespielt wurde. Ein weiterer großartiger Gänsehaut-Moment war die acapella Fassung zu dritt von For the country. 




Es gab schließlich auch einen Hinweis auf das fertige und von mir schon heiß ersehnte neue Album (im Januar 2017) und einen der neuen Songs: Penny for your thoughts. Sehr sehr schön passten natürlich auch die Klassiker und hier wieder als Rausschmeißer eingesetzten Chiaroscuro und Caressed in der Fassung des Tages in den Kirchenraum und es fiel uns allen sehr schwer zu akzeptieren, dass es WIRKLICH keine Zugabe geben würde, wenn wir auch noch so sehr bettelten... Dieses Konzert allein wäre die Fahrt nach Storkow schon wert gewesen! Und wenn es am schönsten ist, soll man ja bekanntlich aufhören, deshalb war nach dem Verlassen der Kirche für diesen Abend für mich der erste Festivaltag zu Ende.


Setlist:
01: Teppet faller
02: Pockets full of holes
03: Thrasymachus
04: For the country
05: Penny for your thoughts
06: Chiaroscuro
07: Caressed
 

Tourdaten Lea
26.09. Leipzig Täubchenthal
27.09. Dresden Scheune
28.09. Marburg Waggonhalle
29.09. Münster Hot Jazz Club
30.09. Kassel Theaterstübchen
09.10. Stuttgart Keller Klub
10.10. Saarbrücken Klub Garage
11.10. Darmstadt Centralstation (Lounge)
12.10. Erfurt Museumskeller

Alle Fotos

Aus unserem Archiv
Berichte von 2015: Tag 1, 2, 3
Lea, Haldern, 11.08.16
Einar Stray Orchstra, Frankfurt, 02.06.16  
Einar Stray Orchestra, Darmstadt, 16.05.15
Einar Stray, Berlin, 01.01.14
Einar Stray, Köln, 20.06.12




Gudruns Konzerttipps im September

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Im September ist das Konzertangebot fast erdrückend umfänglich. Und vermutlich ist die Übersicht hier auch nur der erste noch unvollständige Versuch einer Übersicht. Für mich wird traditionell in Dresden ganz gemütlich mit drei tollen Tagen beim Sound of Bronkow Festival im Societaetstheater losgehen.

 
Sons of Settlers 
02.09. Leipzig – Wohnzimmerkonzert
03.09. Leipzig – Sternburg Fanfest @ Täubchenthal
08.09. Klein Leppin – Schulfrei-Festival
09.09. Luckenwalde – WunderBar
17.09. Berlin – Sofar Sounds
24.09. Weilburg – LindenCult
01.10. Neustadt a.d. Weinstraße – Wespennest
02.10. Darmstadt – Kulturwerk Griesheim
07.10. Erding – Jugend- und Kulturhaus Sonic
08.10. St. Georgen im Attergau – Fümreif
13.10. Berlin – Awesome Music Night Vol. 1 @ SO36
19.10. Lahr – Schlachthof
20.10. Karlsruhe – Salonfestival
21.10. Waldshut-Tiengen – ALI-Theater
 


Coucou
Coucou, Adorf, 29.04.16

02.09. Dresden – Blue Note
03.09. Pohrsdorf – Saxstall
06.10. Einbeck – Tangobrücke
07.10. Halle – Brohmers
10.11. Schwabenheim –  Mayence Acoustique e.V.
12.11. Worms –  Chateau Schembs



Svavar Knútur
Svavar Knútur, Leipzig, 09.10.13  

04.09. Birgit Und Bier, Berlin
06.09. Zing, Saarbrücken
11.09. Weltempfänger Hostel, Ehrenfeld
12.09. House concert, Hamburg
13.09. Cafe Akzent, Landau
14.09. Backerei, Innsbruck
16.09. Schnabulenz, Münster
17.09. Kommode 1, Freiburg



Hello Piedpiper

Hello Piedpiper, Pforzheim, 05.02.16

07.09. Dortmund - Neues Schwarz
08.09. Mainz - Kulturclub Schon Schön
09.09. Erfurt - FRANZ MEHLHOSE
10.09. Dresden - Blue Note
11.09. Jena - Café Wagner Jena e.V.
12.09. Mannheim - TBA
13.09. Freiburg - Swamp


Black Oak
Black Oak, Karlsruhe, 19.09.15

07.09. Dortmund Neues Schwarz   
08.09. Mainz Schon Schön       
09.09. Erfurt Franz Mehlhose   
10.09. Dresden  Blue Note
11.09. Jena Café Wagner
12.09. Mannheim tba    
13.09. Freiburg Swamp
14.09. Bern Musigbistrot
15.09. Chur Werkstatt
16.09. Rorschach Treppenhaus
17.09. Wien Haus der Musik




Ballad of Geraldine
08.09. Leipzig – Noch Besser Leben
09.09. Chemnitz – Aaltra
10.09. Halle – CSD
11.09. Dresden – Rösslstube
15.09. Bochum – Café Eden
16.09. Hamburg – Pocca Bar
23.09. Berlin – Tiefengrund
24.09. Lüneburg – Anna&Arthur
01.10. Fürstenfeldbruck – Subkultur



Johanna Borchert
Johanna Borchert, Karlsruhe, 22.01.16

10.09. Potsdam  Potsdamer Jazztage (Solo)
22.09. Essen Philharmonie (mit Band)


New Dog
New Dog, Karlsruhe, 08.06.15

12.09. Würzburg  (Kult)
13.09. Darmstadt  (Oetinger Villa)
14.09. Chemnitz  (Odradek)
15.09. Leipzig  (Noch Besser Leben)
16.09. Nachod (Mastal) w/ Aran Epochal
22.09. Berlin  (Schokoladen) w/ Saroos


Abay
 

13.09. Berlin, Privatclub
14.09. Hannover, Lux
15.09. Leipzig, Felsenkeller im Naumanns
16.09. München, Kranhalle
17.09. Bern, Rössli
18.09. Augsburg, SOHO Stage
19.09. Wien, Chelsea
20.09. Stuttgart, Goldmarks


Hannah Epperson
 
Hannah Epperson, Paris, 17.09.14 

16.09. Dresden - Beatpol
17.09. Erfurt - Franz Mehlhose
18.09. Berlin - Monarch
20.09. Leipzig - Wärmehalle
21.09. Osnabrück - Zucker
22.09. Hannover - Feinkostlampe
23.09. Breda - Onderstroom
24.09. Hamburg - Reeperbahn Festival
25.09. Dortmund - Höchste der Gefühle
27.09. Göttingen Nörgelbuff
28.09. Nürnberg Neues Museum
30.09. Marburg KFZ
01.10. Wien - Waves Vienna Festival
03.10. Graz - Scherbe
04.10. Bremgarten - Stiefelchnächt
05.10. Luxenburg - De Gudde Wellen
06.10. Brüssel - Huis 23
07.10. Köln - die Wohngemeinschaft
08.10. Münster - Reset Festival
19.10. Paris Maison Sage


Evening Hymns

Evening Hymns, Karlsruhe, 02.05.13

16.09. Hamburg Golem
17.09. Berlin Privatclub
18.09. Darmstadt Golden Leaves Festival
19.09. Münster Pension Schmidt
20.09. Köln Wohngemeinschaft
21.09. Amsterdam Indiestad @ Paradiso
 


Sophie Hunger
Sophie Hunger, Karlsruhe, 02.08.15

17.09. Kaufleuten, Zürich
18.09. Kaufleuten, Zürich



Familiar Wild
Familiar Wild, Reykjavík, 01.07.15

17.09. Aachen (private wedding)
18.09. Koln (Cafe Lichtung)
21.09. Sint Niklaas (Cafe Bleek)
22.09. Antwerp (Podium Cafe Ami)
23.09. Brussels (Piolalibri)
24.09. Dusseldorf (Where the Birds Fly presents: house concert)
25.09. Karlsruhe (house concert)
26.09. Karlsruhe (house concert)

27.09. Chemnitz (house concert)
30.09. Berlin (Cafe Engels) with Jason Saint
01.10. Aachen (house concert)


Moddi

Moddi, Freiburg, 01.05.14 

20.09. Espace B, Paris
24.09. Emergent Sounds Festival,Köln
25.09. Steiricher Herbst, Graz
01.10. Jeruzalemkerk, Amsterdam
06.10. Silent Green, Berlin
07.10. Häkken, Hamburg
08.10. Bedroomdisco, Darmstadt


Laura Gibson

Laura Gibson, Leipzig, 03.05.16

21.09. Nürnberg MUZclub
22.09. Berlin Bi Nuu
23.09. Frankfurt Brotfabrik
24.09. Hamburg Reeperbahn Festival
01.10. Hannover Glocksee




Alin Coen Band
 
Alin Coen Band, Mannheim, 10.08.14

22.09. Magdeburg, Moritzhof
23.09. Dresden, Alter Schlachthof
24.09. Erfurt, HsD Gewerkschaftshaus Erfurt
25.09. Berlin, Heimathafen Neukoelln
27.09. Hamburg, Gruenspan
29.09. Essen, Zeche Carl
30.09. Köln, Kulturkirche Köln
01.10. Heidelberg, Karlstorbahnhof
02.10. Stuttgart, Im Wizemann
04.10. München, Freiheizhalle
05.10. Erlangen, Kulturzentrum E-Werk
06.10. Leipzig, Täubchenthal


Freitag, 26. August 2016

Haldern Pop, 3. Festivaltag, 13.08.16

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Konzert: Haldern Pop Festival, 3. und letzter Festivaltag mit Conner Youngblood, Wintergatan, Ebbot Lundberg & The Indigo Children, Hubert von Goisern, Julia Holter, Yak, Thees Uhlmann, Albin Lee Meldau, Daughter, Jason Isbell, Minor Victories, The Graveltones und vielen anderen
Ort: Rees-Haldern am Niederrhein
Datum: 13.08.2016



Den letzten Festivaltag liess ich spät angehen. Ich war am Samstag erst gegen 4 Uhr ins Bett gekommen und hatte mächtig Schlafrückstand. Ich entschied mich den Haldern-Sonntag ganz entspannt erst um 16 Uhr beginnen zu lassen, um  mir als Ersten den jungen Amerikaner Conner (Conner mit "e" und nicht mit "o", wie es im Programmheft fälschlicherweise stand) Youngblood im Tonstudio anzusehen. Allerdings war ich nicht der Einzige der auf diese Idee gekommen war. Als ich meinen netten Spaziergang durch die idyllischen Felder zur Venue hin beendet hatte, sah ich eine Menschenschlange draussen rumstehen. Leute die gerne reinwollten, aufgrund Platzmangels aber nicht konnten.


Diejenigen die es allerdings geschafft hatten pünktlich in das Tonstudio reinzukommen wurden mit einem kostenlosen Saunagang belohnt. Ich selbst gehörte nicht dazu und hörte von draussen aus ein wenig zu. Das war natürlich unbefriedigend (nicht der verpasste Saunagang, sondern das Nichtsehen des Konzertes). Gegen Ende des Sets wurde es aber leerer und ich schaffte es in den kleinen Raum durchzudringen in dem die Luft regelrecht stand und Conner schweisstriefend mit Gitarre und Laptop agierte. Der Bursche sah blendend aus, hatte einen gestählten Body und Rastazöpfe und sang im angesagten James Blake Stil, sprich mit Kopfstimme und souligem Einschlag. Conner war nicht der klassische folkige Singer Songwriter mit Bart und Karohemd, sondern ein sportlicher Jungspund, der auch musikalisch modern und cool klang. Ganz zum Schluss spielte er sogar einen rein akustischen Song, ohne Samples, ohne Loops und ohne Stimmverfremdung und interessanterweise gefiel mir diese puristische Darbietung sogar am Besten, weil man sehen konnte, dass der Texaner auch ganz ohne technische Hilfsmittel was rüberbringen konnte. Definitiv ein Talent, das man beobachten sollte!




Talent hatten auch die schwedischen Postrocker Wintergatan die ich vor ein paar Jahren schon ein mal im Halderner Tent gesehen hatte. Damas war ich begeistert von der Kreativität, der Frische, der Originalität dieser instrumentalen Band, die sogar eigene Instrumente bastelt und bezaubernde Töne produzierte. Allerdings fragte ich mich, ob ohne den Überraschungsfaktor die Musik immer noch betörend auf mich wirken konnte. Sie konnte! Und wie! In der herrlichen Mittagssonne boten die Skandinavier auf der Hauptbühne ein äusserst unterhaltsames, abwechslunsgreiches und bewegendes Set voller packender Melodien und Einfälle.


Der Chef der Band war zudem zu Scherzen aufgelegt. Er erklärte, dass die ganze Musiziererei eine Arbeit von "try and error" sei, was aber nicht notwendigerweise schlimm sei, denn selbst Fehler könnten in der Kunst dafür sorgen, dass ein Projekt paradoxerweise besonders gut klappt. Er nannte einen Haifilm von Spielberg als Beispiel, in dem die Haiaufnahmen zu Beginn wegen technischer Probleme weggeschnitten werden mussten, was aber nur eine Steigerung der Spannung zur Folge hatte, weil der Hai so plötzlich und so überraschend auftauchte.

Anekdoten dieser Art trugen zu einer lockeren Atmosphäre hinzu, aber Wintergatan waren keine Witztruppe, die nur von visuellen Effekten und netten Ansagen lebte, sondern auch wirklich spannende Musik macht, die auch an jedem Ort der Welt funktionieren könnte. Ich langweilte mich jedenfalls keine Spur und verbuchte insgesamt ein wirklich gelungenes Konzert. Schweden sind eben toll.

Halt! Sagte ich gerade Schweden sind toll ? Grundsätzlich würde ich das so unterschreiben, allerdings konnte mich Albin Lee Meldau, der mit Ebbott Lundberg den Startplatz getauscht hatte im Anschluss im Spiegeltent nicht wirklich überzeugen. Lag aber eher an meinen musikalischen Präferenzen als an anderen Dingen. Wie schon erwähnt bin ich kein Fan dieser Neo Soul- Neo Jazz Szene, die James Blake und Sam Smith losgetreten haben und Kopfstimmen gehen mir inzwischen meistens auf die Nerven. Somit war dann der Auftritt von Albin eher nicht mein Fall.


Hubert von Goisern vermochte mich danach auf der Hauptbühne allerdings noch weniger zu begeistern. Ein jodelnder Steirer mit Blasmusik, Alpen Pedalsteel und jovialer Kommunikation mit dem Publikum ("sann Steirer do?"), das war schon sehr speziell. Ich fühlte mich fast wie im Musikantenstadl, aber zum Glück gibt es in Haldern ja auch einen schönen Pressebereich am Waldrand, in den ich mich während des Konzertes des Österreichers verzog.

19Uhr 30: Zeit für Julia Holter


Was für ein Leckerbissen! Julia Holter in Haldern auf der Hauptbühne! Im Spiegelzelt hatte sie ja bereits schon mal gespielt, nun also der Aufstieg auf die Main Stage. Schade nur, dass sich nicht extrem viele Festivalgäste zur Prime Time vor der grössten Stage des Popfestivals wiederfanden, sondern stattdessen mehrheitlich den neben dem Spiegeltent gelegenen Biergarten bevölkerten. Da legt die Holter das laut Kritikern allerbeste Album des Jahres 2015 vor und dennoch ist sie noch kein richtiger Star, zumindest ist sie hinsichtlich ihres Publikumerfolges immer noch nicht im Mainstream angekommen! Sehr verwunderlich ist das allerdings nicht. Obwohl ihr letztes Album wesentlich zugänglicher als die Vorgänger war, bleibt sie immer noch ein wenig verhuscht, schrullig und experimentell und letztlich ist das auch gut so, denn wollen wir wirklich alle einen gleichklingenden Einheitsbrei hören ?


Allerdings hätte auch ich als bekennender Fan der begnadeten Chanteuse etwas zu beanstanden und zwar die Livepräsenz der Band. Schon bei einem Konzert in Paris war mir aufgefallen wie bräsig und abwesend der Drummer spielte, wie wenig mitreissend die rothaarige Violonistin bei der Ausübung ihrer Kunst anzusehen war und wie weltenrückt der gothische angehauchte (schwarze Fingernägel) Kontrabassist agierte. Eine fetzigere Band hätte dem Set sicherlich gutgetan. Nun muss man natürlich auch berücksichtigen, dass die Studioversionen der Songs äusserst komplex und live nur schwer umsetzbar sind, aber ein wenig mehr Schwung und Harmonie (manchmal klang alles ein wenig schief) hätte ich mir schon gewünscht. Holter selbst war allerdings kein Vorwurf zu machten, sie sang sehr gut und äusserst lieblich und verzog ihren Mund beim Singen immer wieder zu einer süssen Schnute. Auf Kumpel mit dem Publikum machte sie aber nicht, das ist nicht so ihre Art und passt auch nicht sonderlich zu der traumversunkenen, bizarren Musik der Amerikanerin.


Julia Holter spielte vorwiegend Songs von ihrem aktuellen Album Have You In My Wilderness (glänzend: Feel You und Betsy On The Roof) aber auch 2 vom Vorgänger Loud City Sounds (u.a. Opener In The Green Wild) und eins von Tragedy.

Das etwa 60 minütige Set war unter dem Strich sehr ordentlich, vermochte aber aus oben genannten Gründen nicht ganz die Brillanz der Alben widerzuspiegeln. Julia Holter muss noch etwas arbeiten (oder eine bessere Band verpflichten) um ein Publikumsmagnet zu werden. Angesichts des riesigen Talentes der sympathischen Dame mit den inzwischen leicht graustichigen Haaren mache ich mir dahingehend aber keine allzu grossen Sorgen.

Setlist Julia Holter

01: In The Green Wild
02: Silhouette
03: So Lilies
04: Horns Surrounding Me
05: Lucette Stranded On The Island
06: Hello Stranger (Barbara Streisand)
07: Feel You
08: Everytime Boots
09: Betsy On The Roof
10: Vasquez
11: Sea Calls Me Home


Die jungen Briten Yak im Spiegeltent danach waren vor allem eins: laut. Sehr laut. Sie mischten das Publikum von Beginn an auf und Sänger und Gitarrist Oliver Henry Burslem liess es sich nicht nehmen in der Mitte des Sets in die Menge zu springen. Da johlte die aufgepeitschte Meute. Mir war dieser schwere Indie Rock mit Punkeinschlag aber doch etwas zu wild, in meinem Alter mag man es halt eben eher gesetzter. Das jugendliche Publikum kam allerdings voll auf seine Kosten.

Leiser waren dann Thees Uhlmann und Band auf der Hauptbühne danach. Der solide melodische Gitarrenrock des Neuschriftstellers gefiel mir gut, war aber natürlich nicht wirklich originell. Manche fanden auch seine Ansagen etwas nervig, ich hingegen fand sie eher lustig. Ein netter Kerl, der Thees. Kommt vom Land, genau wie ich. Und seine Musik mag ich im Zweifel lieber als die des 17. neuen James Blake Klon.


Ebbot Lundberg and The Indigo Childern im Zelt wollte ich danach auf keinen Fall verpassen. Seit dem Album Origins Vol 1 von The Soundtrack of Our Lives bin ich grosser Fan der schwedischen Rockband, die auch schon  in der Vergangenheit in Haldern auf der Hauptbühne gespielt hatte. Deren Sänger Ebbot kam dann auch mal als akustischer Soloact und heuer nun wieder mit einer neuen, sehr jungen Band, in der es auffällig viele attraktive junge Männer gab. Ebbot wirkte neben den dünnen Heringen noch etwas fülliger als sonst schon, aber das machte natürlich überhaupt nichts, weil ihm die Leibesfülle noch mehr Bühnenpräsenz und Power verleiht und sicherlich auch zur ungemeinen Wucht seiner fabelhaften Reibeisenstimme beiträgt. Der notorische Kuttenträger hatte zur Feier des Tages ein feines Tuch um seinen breiten Hals gelegt und das Gesicht mit Kriegsbemalung überzogen, die durch den Schweiss bedingt in der Folge von seinen Wangen und seiner Stirne hinunterlief. Ein Bär von einem Mann dieser Ebbot, so urwüchsig wie man ihn wohl nur in wilden Ländern wie Schweden oder Kanada finden kann! Und sein Gebaren auf der Bühne hatte nichts von seiner hypnotischen Wirkung verloren, der Bartträger zog mich schon in den allerersten Minuten in seinen Bann.




Eingefleischte TSOOL Fans fragten sich möglicherweise vorher ob auch Stücke der inzwischen aufgelösten Band gespielt werden würden (Antwort: ja eins am Schluss, und was für eins!), ich hingegen war offen für die neuen Titel und das aktuelle Projekt von Ebbot. Musikalisch konnte ich ohnehin keine grossen Unterscheide zu TSOOL erkennen, Ebbot ist seinem Mix aus Psychedelic Rock, Hardrock und schwermütiger Popballade weiterhin treu geblieben und so waren dann auch die Stücke   schön abwechslungs- und facettenreich. Nach einem ersten Teil mit einem eher soften For The Ages To Come gab es im Mittelteil zwei Songs die man fast als heavy bezeichnen konnte, bevor gegen Ende mit I See Forever wieder eine dieser herzzerreissenden und keine Spur kitschigen Balladen gespielt wurde.


Dass der krönende Abschluss dann mit Second Life Replay ein Song von TSOOL war, war vielleicht ein Zugeständnis an die Fans dieses tollen Projekts und trotz der Güte der mit den Indigo Childern gebotenen Lieder ragte dieser Song von 2008 heraus. Er begann schleppend mit Orgel und Mundharmonika bevor er sich in einen hymnisch epischen Schocker mit wildem Schlagzeugwirbel verwandelte. Das war atemberaubend und dauerte auch fast 10 Minuten, von den keine einzige langweilig war. Hinterher fiepten kräftig die Ohren, aber man verliess das Tent mit dem guten Gefühl hier ein absolutes Highlight miterlebt zu haben.

Dann Daughter auf der Hauptbühne.


Schon ein paar Stunden vor dem Konzert von Daughter hatte ich zufällig erfahren, wer die britische Band um Elena Tonra verstärken würde: Cathy Lucas, die ehemalige Geigerin von Fanfarlo! Ich hatte die nette junge Dame mittags zufällig auf dem Gelände getroffen und sie in meiner penetranten Art in ein Gespräch verwickelt, in der es natürlich hauptsächlich um Fanfarlo, eine Band die in der Vergangenheit bereits auf der Hauptbühne gespielt hatte, ging. Dieses Projekt sei beendet, aber sie sei nun seit einem Monat Keyboarderin bei Daughter. Leider sah man Cathy dann aber kaum auf der Bühne, sie agierte weit hinten rechts im Dunkeln. Ohnehin war die Show eher auf die zierliche Sängerin Elena ausgerichtet, die in elegante schwarze Kleidung gehüllt war und so auch optisch den düster-melancholischen Charakter ihrer Musik unterstrich. Die Männer in der Band spielten eher Nebenrollen und waren weit aussen postiert. Aber auch Tonra selbst war nicht die klassische Bandleaderin, die überdrehte Frontfrau, die für Stimmung sorgt. Der mystischen Musik enstprechend, war sie eher zurückhaltend, hielt sich nicht mit langen Ansagen (die ohnehin unpassend gewesen wären) auf und konzentrierte sich ganz auf ihr Gitarrenspiel und ihren wundervollen Gesang. Hauchzart und flehentlich sang sie und die Gitarrenmelodien klangen fast ähnlich genial wie bei Interpol oder The National, zwei Bands die man durchaus mit Daughter vergleichen kann. Zwar sind Daughter weder wirklich Post Punk (wie eben Interpol) oder folkig (wie bisweilen The National), aber dennoch hört man eine ähnliche ADN heraus. Allesamt sind die Künstler Nachtschattengewächse, Leute, die erst im Dunkeln aufblühen und das Tageslicht eher meiden (daher sicherlich auch der blasse Teint von Elena) und Zuflucht in depressiven Songtexten suchen. Das mag teilweise ein wenig gekünstelt wehlklagend rüberkommen und manchmal auch bombastisch, aber die Anziehungskraft war heuer dennoch so gross, dass kein Plaz blieb um musikphilosophisch erötern zu müssen, ob die genannten zeitgenössischen Bands ähnlich authentisch wie Joy Division sind oder nicht.



Das Set bestand je zur Hälfte aus Stücken des Debüts If You Leave und des Zweitlings Not To Disappear so dass auch diejenigen auf ihre Kosten kamen, die das erste Album bevorzugen. Von diesem stammte das himmlisch leichte Tomorrow mit seinen mandolinenartig klingenden Perlgitarren und dem "Ohohoho-Refrain", während Numbers (an dritter Stelle gespielt) von dem 2. Werk stammte. Alles klang sehr harmonisch und atmosphärisch langsame und rockig schnelle Songs wechselten sich perfekt ab.

Gut eine Stunde genoss ich den luftigen Schwebesound und weil das Konzert so gut war verzichtete ich auch am Ende auf einen Abstecher in das Spiegeltent in dem der begabte Countrysänger Jason Isbell auftrat.

Musikalisch war dieser Schachzug von mir clever, denn die heutigen Headliner Minor  Victories (oder waren Daughter Headliner?) knüpften stilistisch an den Sound von Daughter an.


Minor Victories, eine Art Supergroup mit Rachel von Slowdive, Stuart von Mogwai, Martin Bulloch (dem Drummer von Mogwai) und dem Bassisten James Lockey der Editors.

Rachel war von Beginn an Blickfang mit ihrem extravaganten Kleid mit dem auffälligen Federkragen, aber auch stimmlich wusste sie zu entzücken. Die Sanftheit und Melancholie ihrer Stimme war nach wie vor unbeschreiblich und sie schien kaum gealtert zu sein, obwohl die besten Zeiten von Slow Dive schon gefühlte Ewigkeiten zurückliegen. Aber es muss nicht immer Slow Dive und auch nicht immer Mogwai sein, das Mischprodukt Minor Victories war ähnlich berauschend und hypnotisch. "Tolle Atmosphäre" lobte der holländische Moderator gleich mehrfach hinterher und in der Tat kam der Shoegaze Sound zu der späten Uhrzeit perfekt rüber. Dennoch waren anscheinend schon ein paar Festivalbesucher in ihren Zelten verschwunden, vor der Hauptbühne war es keineswegs brechend voll. Diejenigen die nicht da waren, verpassten brillante Stücke wie A Hundred Ropes oder Higher Hopes und vor allem das gigantische und abschliessende Out To Sea, das feuerwerksähnlich knallte


Das Haldern Pop Festival 2016 wurde nach dem letzten Ton der Minor Victories für beendet erklärt. Zumindest von dem holländischen Moderator. Dabei spielte aber noch eine Band im Anschluss im Spiegeltent. Nein, nicht wie geplant die Schotten Frightened Rabbit, die mussten kurzfristig absagen, sondern die bluesrockigen Graveltones, die bereits am morgen in der Bar auf dem Programm gestanden hatten. Ein wildes Duo, bestehend aus Jimmy O (Gitarre, Gesang) und dem Hut tragenden Drummer Mikey Sorbello, das schnörkellos und roh auftrumpfte und sichtlich seinen Spass hatte. Ich sah mir 3 Songs von ihnen noch an, dann waren auch meine letzten Kraftreserven erschöpft und ich trat die Reise in mein Bed And Brekfast in Borghese bei Emmerich an. Alles Hat ein Ende nur die Wurst hat zwei, wie Jimmy O richtig sagte...


 

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