Samstag, 25. Mai 2013

CocoRosie, Berlin, 24.05.2013

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Konzert: CocoRosie (+Valgeir Sigurdsson)
Ort: Berlin Huxleys Neue Welt
Datum:24.05.2013
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: 30+120 Minuten


CocoRosie erneut in Berlin. Nach drei im vergangenen Jahr ausverkauften Shows hintereinander, ist der Tourauftakt in Berlin zum neuen Album Tales Of A GrassWidow wohl kein Zufall. Statt zuletzt im Heimathafen, wird dieses Mal ins mittlerweile eher stiefmütterlichen Huxleys Neue Welt geladen. In den 90ern kam man als Konzertgänger kaum ums Huxleys herum. Das hat sich nun gravierend geändert und so kam beim Betreten der Räume ein großer Moment der Nostalgie in mir hoch. Legendär war für mich  u.a. das Sonic Youth Konzert mit Stereolab als Vorband. Vielleicht auch legendär, da es außer einer Wand von Gitarrengeschrabbel kaum etwas zu vernehmen gab. Da hoffte ich heute auf deutlich mehr Klangkunst.

Die beiden letzten CocoRosie Konzerte gefielen mir außerordentlich gut - auch wenn sie es mit der indischen Folklore doch recht dick aufgetragen haben. Es wirkte nicht peinlich. Statt indischer Folklore wurde zu Anfang des heutigen Konzertabends den Isländer Valgeir Sigurdsson geboten, welchen ich schon vor einer Weile im Radialsysteme V bestaunen durfte. Der beliebte Mix aus Klassik-Elementen und Elektrosounds ist seine große Stärke. So fusioniert er auch gekonnt (auch provokativ) Elektrosounds mit Klaviereinlagen. Zwischendurch strapaziert er doch recht arg mit massiven Bässen, die an der Grenze zum Nase bluten standen. Dann auch hochfrequentes Fiepen, bei der sich massenhaft die Ohren zugehalten wurde. Vielleicht wollte Herr Sigurdsson einfach nur eine ordentliche Duftmarke setzen in Kenntnis an die doch recht spielerischen Sounds der Casady Schwestern. Das ist ihm sicherlich gelungen, wenn mir auch sein Konzert in den Radialsystemen deutlich besser gefallen hat. Ein teils verwirrtes Publikum klatschte teils vor entzückter Bewunderung und aus Überforderung.

Ein Metallzaun trennt das Publikum unnötigerweise von der Bühne. Das schafft eine distanzierte Atmosphäre, die in meinen Augen unnötig gewesen ist. Einzig die Fotografen und der Kameramann mögen davon profitiert haben. Schaue ich um mich herum, so entdecke ich doch eine recht stattliche Anzahl von frisch rasierten Frauenköpfen. Das CocoRosie auch als Ikonen der Lesben-und Schwulenbewegung gelten, ist heute Abend gut erkennbar. Eine angenehm offene Atmosphäre schafft dieser kunterbunte Publikumsmix.
Nach 30 Minuten Pause und einem gehirnwaschenden in Endlosschleife befindlichen Sound, kommen endlich die ersten Musiker von CocoRosie auf die Bühne. Neben Valgeir Sigurdsson ist der Beatboxer Tez auch wieder dabei. Der Abend beginnt mit Child Bride. Ich war gespannt was sie die beiden Schwestern an Kostümierung für den heutigen Abend überlegt haben. Ohne mich wirklich auszukennen, würde ich sagen, dass Sierra einen schwarzen Body mit Strumpfhose bis zu den Knien trug. Darüber einen kiminoartigen Mantel. Sie platzierte sich direkt an der Harfe und sphärische Klaäge ertönten aus ihrem Zupfen und Gesang. Bianca trug einen langen dünnen Kittel, der eher an Fabrikarbeiterin erinnerte als an eine Abendgarderobe. Viel interessanter war dagegen ihr Kopfschmuck. Eine Mischung aus beleuchtetem Geweih bzw. Zweigen mit lauter kleinen LEDs. Das sah am Anfang doch recht eigenwillig aus, aber dafür liebe ich CocoRosie, dass sie sich immer wieder für die Bühne irgendetwas besonderes überlegen. Und diese beleuchtete Krone war einfach unheimlich schön anzusehen.

Das neue Album gefällt mir richtig gut. Und mit End Of Time spielen sie auch gleich eines meiner Lieblingslieder des Albums. Tez ist wieder voll in seinem Element. Ohne ihn - und da bin ich mir ziemlich sicher, würde der Sound von CocoRosie sehr viel verlieren. Bei Harmless Monster geht mir richtig das Herz auf. "And it´s alright to recognize me"...
Wenn ich jetzt sagen würde, dass das Publikum distanziert reagierte, so ist das wahrlich übertrieben, aber die überschwängliche Euphorie macht sich (noch) nicht wirklich breit. Das mag auch daran liegen, dass das neue Album erst am gleichen Tag des Konzerts veröffentlich wurde und alles noch neu und interessant klingt. After The Afterlife und Gravediggress kommen überraschend schon am Anfang des Konzerts. Soll mir recht sein, denn ich habe sie mangels Alternative vom neuen Album doch recht häufig gehört. Dazu noch die doch recht üppige Radiopräsenz. Richtig gut gefällt mir Anna Lama, welches bislang unveröffentlicht ist. Ich mag das Harfenspiel und Sierras deutlich verzerrte Stimme. Ein wahres Highlight. 


Dann bekommt der liebe Tez Zeit für eine kleine Soloshow. Ich bin immer wieder beeindruckt. Ein wirklich cooler Typ. Gott sei Dank erinnert nur sehr wenig an die Zeiten von Police Academy, als das Geräusche imitieren in der breiten Öffentlichkeit populär wurde. Mit Villain kommt die Band wieder zurück auf die Bühne. Dieses Mal sogar in Begleitung einer drallen Tänzerin, die eine Mischung aus Erotik und Rhythmik versprühen möchte. Meinen Nerv hat diese Darbietung nicht getroffen. Passte irgendwie nicht richtig zum Rest dazu.

Richtig beeindruckt hat mich die Live-Version von Undertaker. Dazu Sierras Gesang und im Hintergrund ein tragischer Clown auf der Videoleinwand. Da lief es mir vor Rührung kalt den Rücken herunter. Wunderschön. Überhaupt wirken Bianca und Sierra keinesfalls überdrüssig voneinander. So ist es schön mit anzusehen, wie sie sich gegenseitig unterstützen. Jede in ihrer Rolle.  R.I.P. Burnface klingt angenehm frisch.
Lustig wird es dann noch zu Fairy Paradise, als Bianca irgendeinen Christopher aus dem Publikum auf die Bühne bittet, um dann mit ihr tanzend und singend eine nette Show abzuliefern. In welcher Beziehung die Beiden zueinander stehen, bleibt für mich ungeklärt.

Ordentlichen Applaus gibt es dann noch für die ersten Tonbandklänge von Werewolf. Zu Recht, denn das Lied ist einfach zu schön - und darf eigentlich auch live nie fehlen. Voller Wehmut höre ich dann Teen Angel. Ach und wieder die Harfe. Stelle ich mir einen Himmel vor - von welchen Engeln würde ich lieber umgeben sein. Vor den kitschig, langweiligen goldhaarigen Engeln oder von Engeln wie sie die Casady Schwestern sind. Ich glaube ich bräuchte eine gute Mischung.
Abgerundet wird der Abend dann mit Beautiful Boyz

Ich muss gestehen, dass ich nach anfänglicher Skepsis, ob mich CocoRosie erneut so berühren würden, nun beruhigt sagen kann - ja - das tun sie. Und das neue Album ist wunderbar geworden. Froh und glücklich entlässt mich das Huxleys mit einem weiteren Meilenstein, den ich an diesem Ort erleben durfte. Einziger Wehmutstropfen: Sie haben Japan und South 2nd nicht gespielt.



Setlist:
Child Bride
End Of Time
Harmless Monster
Tears For Animals
After The Afterlife
Gravediggress
Anna Lama

Tez (solo)
Villain
Far Away
Undertaker
R.I.P. Burnface
Smokey Taboo
Poison
We Are On Fire
Fairy Paradise
-
Werewolf
Teen Angle
-
God Has A U
Beautiful Boyz

Blur, Barcelona, 24.05.13

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Konzert: Blur
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 24.05.2013
Zuschauer: Tausende (und alle Idioten neben mir)
Dauer: 86 min


Im letzten August, nachdem ich Blurs Olympia-Abschlußkonzert im Hyde Park gesehen - Unsinn - erlebt hatte, wollte ich mir die Band nie wieder angucken, weil es nur schlechter sein könnte. Dummerweise wurde mein Frühbucher Blind-Date-Ticket für Barcelona zum  Blur-Ticket, nachdem die Bestätigungen durch waren und Blur als einer der Headliner angekündigt wurden.


Dazu kam, daß mich der Tag heute zunehmend genervt hat. Es ist alles mittlerweile zu voll. Das soll keineswegs die "früher war alles besser"-Nörgelei sein, die wäre sehr albern, so lange fahren wir schließlich noch nicht zum Primaverafestival (es ist mein viertes). Aber das volle Primavera 2012 war eine ganze Ecke angenehmer als die diesjährige Ausgabe. Es liegt nicht an der Infrastruktur. Man bekommt überall schnell Getränke, findet Toiletten. Es sind die Menschenmassen, die heute überall waren. Zu Daughter, denen ich nach ihrem Konzert kurz hallo sagen wollte, kam ich gar nicht erst, weil ich an einer Mauer aus Menschen in der Nähe der Bühne abprallte.


Dadurch war ich viel zu früh bei Blur (45 min vor Beginn), kam in den Genuß eines kleinen Überraschungsgigs von The Wedding Present (drei Lieder, 12 min) und hatte einen recht okayen Platz am Rande der Bühne.

Blur spielten knapp anderthalb Stunden Hit für Hit - sagenhaft! Daß es im Vergleich zum Londoner Auftritt merkbar schlechter war, hat einen einfachen Grund: das englische Publikum. Trotzdem das beste Konzert des Festivals und sicherer Kandidat für die Jahres-Top-5!

Irgendwann am Wochenende ausführlicher! Dann auch die anderen Konzerte, die ich heute gesehen habe: The Jesus and Mary Chain, Mulatu Astatke, The Breeders, Merchandise...

Setlist Blur, Primavera Festival, Barcelona:

01: Girls & boys
02: Popscene
03: There's no other way
04: Beetlebum
05: Out of time
06: Trimm trabb
07: Caramel
08: Coffee & TV
09: Tender
10: Country house
11: Parklife
12: End of a century
13: This is a low

14: Under the Westway (Z)
15: For tomorrow (Z)
16: The universal (Z)
17: Song 2 (kurz) (Z)

Links:

- Blur, London, 12.08.12 



Freitag, 24. Mai 2013

Murder by Death, Zürich, 20.05.13

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Konzert: Murder by Death mit Support Daniel Meister
Ort: Komplex 457 in Zürich
Datum: 20. Mai 2013 
Zuhörer: etwa 60
Dauer: 40 min + 75 min



Es gibt so Langzeitbeziehungen mit Bands. 
  Beispiele gefällig? 

Im Dezember 2006 traf ich auf Daniel Benjamin (heut Sea+Air) und im März 2007 auf Locas in Love (mit Saurus) und  Murder by death (mit In Bocca al Lupo). Bei dieser Musik schlug bei mir der Blitz ein ... und das kitzliche Gefühl in den Nervenenden bleibt und nutzt sich über die Zeit einfach nicht ab, sondern die Gefühle reifen heran wie guter Wein. Außer Daniel Benjamin, den ich live zuerst traf, waren dies alles Beziehungen per Tonkonserve und trotz großer Liebe kam es erst im Dezember 2012 zum ersten Konzert mit den Locas und Murder by death stand bis jetzt komplett aus. Das obwohl wir uns gerade im Zuge der Kickstarterkampagne zum aktuellen Album Bitter Drink, bitter Moon ganz besonders nah gekommen waren weil viele Neuigkeiten und witzige Coversongs geteilt wurden. Dieser seltsamen Situation musste ich unbedingt abhelfen und dazu die Chance in Zürich zwingend nutzen.

Fast hätte mich noch der Schlag getroffen als ich an dem Tag des Konzerts morgens folgende Statusmeldung las: Holy shit! The last two shows were incredible! Best shows ever in Europe. Thanks London and Orange Blossom Fest! Da hatten die Jungs heimlich in Beverungen gespielt und ich kriegte so noch einmal richtig einen dafür mitgegeben, mir das Festival an der Weser diesmal nicht ausgesucht zu haben. Echt jetzt mal - das ist nicht fair!


Nun gut, in Zürich würden wir uns nun definitiv treffen. Ich hatte mir ein Hostel in der Nähe das Hauptbahnhofes gesucht. Zum Glück fuhr auch ein Bus in den Club, der an einer für Fußgänger eher unattraktiven Ausfallstrasse Zürichs liegt. Im Gegensatz zum äußeren Eindruck war es aber innen richtig kuschlig und nett anzusehen (nur ist mir wegen der Beleuchtung kein gutes Foto davon gelungen).


Als Vorprogramm gab es den Schweizer Singer-Songwriter Daniel Meister. Die Songs waren gefällig, mir aber in Summe etwas zu eingängig weil ohne Ecken und Kanten. Ich ließ mich davon faszinieren, wie man für ein Set von acht Songs tatsächlich vier Gitarren mitbringen kann und fand die Logarithm-Box super (Berufskrankheit...). Und ... es war echt seltsam, mir wie eine dumme Fremde vorzukommen, während auf der Bühne deutsch gesprochen wird. Ich habe zu wenig davon verstanden, als dass ich mir immer einen Reim drauf hätte machen können. Später bei der Band von überm Teich dann alles überhaupt kein Problem...



Setlist Daniel Meister:
Cloudrunner
Heart of a Lion
Kinda blind
She goes down
Keeping the Aliens alive (cover)
Destination
The River
Remedy

Die Umbaupause war erstaunlich kurz und das ersehnte Treffen wurde von Murder by Death mit einem rasanten Einstieg begonnen. Die ersten Songs luden auf wilde Tänze ein. Gekommen waren viele wohl als Fans und nicht als Laufkundschaft. Man sah es daran, dass sehr viel mitgesungen wurde und recht ekstatisch getanzt.


Zu Beginn wurde das vier Jahre zurück liegende letzte Züricher Konzert beschworen, das wohl der Band ganz besonders in Erinnerung geblieben war, weil es ein großartiges Geburtstagsfest für Adam Turla gewesen war. Heut Abend waren auf der Bühne fünf Personen versammelt


Adam Turla (Gitarre, Gesang)
Matt Armstrong
(Bass)
Sarah Balliet
(Cello, Gesang)
Dagan Thogerson
(Drums) 

??? (Piano, Mandoline, Trompete)

Meine Liebe zur Musik dieser US-Amerikaner beruht vor allem auf der Kombination der Stimme von Adam Turla mit dem warmen und manchmal auch sehr fordernd klingenden Cello von Sarah Balliet. Das erzeugt so einen Sound der etwas in meiner Mitte zum schwingen bringt auch wenn ich sonst gar nicht so auf Wüstenszenerie abfahre.
 

Auch im Konzert banden sie den Hauptteil meiner Aufmerksamkeit. Es war echt schwierig, einen Moment abzupassen, in dem sich Adam nicht beim Singen und spielen wild bewegt  - und z.B. etwas Gedanken verloren in das Mikro singt. Zum Glück hatte ich einen Schnappschuss schon vor Beginn des Konzerts hingekriegt! 

Auch die Cellistin tanzte die meiste Zeit förmlich einen Stuhltanz beim spielen auf den vier Saiten. Es ging unglaublich viel Energie von ihr aus.


Die live-Umsetzung war ganz souverän und man merkte einfach die gewisse Routine, die die Truppe miteinander hat. Das ist alles ehrlich und bodenständig ohne Fass und doppelten Boden. Das Publikum dankte es mit riesigem Applaus und feierte die Lieder eins nach dem anderen ab.

Meine persönlichen Highlights waren Shiola und Brother von meinem immer noch liebsten Album In Bocca al Lupo und Coming home vom Nachfolgealbum.

Für mich am ergreifendsten war aber, als Adam und Sarah für die Zugabe  No oath no spell (vom aktuellen Album) als Duo genau die Quintessenz meiner Liebe zur Musik von Murder bei Death filtriert darboten. Etwa so:



Nach den drei Zugaben und viel Spaß konnte man nach dem Ende des Konzerts noch alle Mitglieder der Band treffen. Ich ließ mir meine CDs alle signieren und hatte beim warten auf den Bus in die Stadt zurück noch ein nettes Gespräch mit den Männern von Bass und Piano. Ich sprach sie natürlich auf die unerhörte Begebenheit an, in Deutschland nur zwei Konzerte zu geben und eines davon geheim zu halten! Sie hatten den Gig in Beverungen noch lebendig vor Augen, wo sie ja als Sonntags-opener das Publikum in den Glittergarten ziehen sollten. Noch 11:15 war niemand da und 11:25 Uhr (fünf Minuten vor Start) war der Garten wieder krass besetzt und feierte die Amerikaner ordentlich ab. Es hatte ihnen aber auch so sehr gut gefallen: gutes Essen, nette Leute und immer genug Freibier!



Setlist (on Spotify):
As long as there is Whiskey in the world (Magpie)
You don't miss twice (Magpie)
Foxglove (Magpie)
King of the Gutters (Magpie)
Lost River (Bitter Drink, bitter Moon)
Fuego! (Red of tooth and claw)
Straight at the sun (Bitter Drink, bitter Moon)
My Hill (Bitter Drink, bitter Moon)
I came around (Bitter Drink, bitter Moon)
'52 Ford (Red of tooth and claw)
The curse of Elkhart (Bitter Drink, bitter Moon)
Shiola (In Bocca al Lupo)
Never tear us apart (INXS-Cover)
Brother (In Bocca al Lupo)
Until Morale Improves (Who will survive...)
I'm Comin' home (Red of tooth and claw)

No oath, no spell (Bitter Drink, bitter Moon)
Pizza Party
???


Weitere Informationen:


Das klienicum zum sonntäglichen Murder by Death Konzert beim OBS17. 

Zwei der oben hinterlegten Videos (Lost River und As long as there is Whiskey) stammen vom Konzert in Beverungen am Vortag.





Ólafur Arnalds, Wiesbaden, 22.05.13

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Konzert: Ólafur Arnalds 
Datum: 22.05.2013 
Ort: Ringkirche in Wiesbaden 
Dauer: Douglas Dare ca. 30 Minuten, Ólafur Arnalds ca. 90 Minuten Zuschauer: ca. 500 


von Ursula von neulich als ich dachte






Gestern Abend ging es in die Wiesbadener Ringkirche, in der man gelegentlich nicht nur Orgelkonzerte, sondern auch Modernes hören kann. Eine Kirche als Veranstaltungsort impliziert Sitzplätze, und nachdem erst kürzlich bei Enno Bunger unsere Sicht nicht gerade brilliant gewesen war, bemühten wir uns um frühzeitiges Erscheinen. Leider befand sich aber auch zu Einlassbeginn um 19 Uhr bereits eine Schlange an der Kirchentür, so dass wir nur noch Plätze im mittleren Bereich (mit wiederum mäßiger Sicht) ergattern konnten. Nach dem Einlass hatte man übrigens auch Gelegenheit, als Verköstigung wahlweise Wasser, ein winziges Glas Riesling oder eine Brezel zu erwerben, alles zu Gunsten der Ringkirche. Kurios dabei war der Hinweis auf der Preisliste, man solle diese Dinge nicht mit in den Kirchenraum nehmen, obwohl sie doch offenkundig dazu gedacht waren. Muss man wohl nicht verstehen. 

Gegen 20 Uhr betrat nicht Herr Arnalds sondern sein Support Act Douglas Dare die Bühne. Er war begeistert vom Kirchenambiente und bot wehmütige Lieder, zu denen er sich selbst am Klavier begleitete. Zu verkaufen hatte er nichts (sein Album erscheint erst in ein paar Monaten), er verschenkte aber großzügig Download-Codes für einen seiner Songs. Zu seinem Lied "Caroline" erklärte er, es sei eigentlich nicht für den Vortrag in einer Kirche geeignet, da es von Ehebruch handele. Er habe sich ausgedacht, dass sein Großvater seine Großmutter mit eben dieser Caroline betrogen habe, als er im Krieg war. Seine Großmutter dürfe allerdings nichts darüber wissen, weil sie das Lied liebe. Wie schon häufiger dachte ich mir bei Dares Auftritt, dass Vorbands von Sitzkonzerten unheimlich profitieren, weil das Publikum mehr oder weniger gezwungen ist, aufmerksam zuzuhören. So erhielt Douglas Dare sicherlich auch mehr Applaus, als er ihn bei einem "normalen" Konzertabend bekommen hätte, verdient hatte er ihn aber. 


  
Nach einer halben Stunde folgte eine kurze Umbaupause, bis um 20:45 Uhr Ólafur Arnalds mit einigen Streichern und einem Posaunisten / Mac-Bediener die Bühne betrat. Als allererstes wurde das Publikum gebeten, im Chor zwei Noten so lange wie möglich zu singen. Er nahm das Ganze mit einem iPad auf, loopte es und verwendete es für den ersten Song "Þú ert sólin". Vorweg erfuhren wir noch, dass die Gesangseinlage des Münchener Publikums vom Vorabend nicht verwendbar gewesen sei, Wiesbaden aber viel besser singen könne. 




Im Vorfeld hatten wir bereits gemutmaßt, dass es mit Arnalds meist instrumentalen Liedern - er verbrachte den Abend am Klavier - so gut wie unmöglich sein dürfte, eine Setliste mitzuschreiben. Das ließ sich letztlich durch ein Foto von der offiziell für die Künstler ausgelegten Liste klären, dieses zeigte uns aber auch, dass keineswegs nach jedem Lied pausiert wurde - nach dem ersten Applaus folgte nämlich schon "Hands, be still", also laut Setliste bereits das vierte Lied. Zu den Songs gab es jeweils Lichteffekte und Nebel, so dass der Raum immer wieder anders wirkte. 




Bei einem Stück - ich glaube, es war "Near Light" - erfuhren wir, dass Arnalds es ursprünglich als Werbesong komponiert hatte, es dann, nachdem es vom Auftraggeber abgelehnt worden war, selbst veröffentlichte und sich nun darüber amüsiert, dass Kommentatoren auf Youtube den Song für besonders tiefsinnig halten. Nach "Undan Hulu", das aus nahe liegenden Gründen auch "Cello Song" heißt (es kommt nämlich ein Cello vor), folgte "Poland", das in Polen entstand - genauer gesagt lieferte der vergebliche Versuch, in einem Tourbus auf den dort sehr holprigen Autobahnen zu schlafen, die Inspiration (und laut Arnalds den Beweis, dass es in traurigen Liedern nicht immer um gebrochene Herzen gehen muss). 

Als letztes Lied widmete Arnalds "Ljósið" seiner Großmutter, die ihn als Chopin-Fan zur klassischen Musik geführt habe und damit letztlich für seine musikalische Karriere verantwortlich sei. 




Natürlich wollte das Publikum eine Zugabe und bekam auch eine - bei "Lag fyrir ömmu" kehrten die Streicher nicht mit zurück auf die Bühne, spielten anscheinend aber trotzdem mit (oder sie kamen doch vom Band). Vorweg erfuhren wir, dass Publikumsreaktionen sich stark nach Ländern unterscheiden. In Italien applaudiert man anscheinend nur kurz und intensiv, dann wartet man still auf die Zugabe. Deutschland dagegen hatte den Musiker anhaltend zurück auf die Bühne geklatscht, eine zweites Mal gelang das aber nicht - nach einer Verbeugung war endgültig Schluss. 

Ólafur Arnalds Musik kam in der Kirchenatmosphäre sehr gut zur Geltung. Es ging mir dabei wie bei "echter" klassischer Musik, was bedeutet, dass ich gelegentlich wegträumte und an völlig andere Dinge dachte als an die Musik auf der Bühne. Das, was ich mitbekam, war aber wunderschön, und auch die Lichtuntermalung, die mal an Schnee, mal an Schmetterlinge erinnerte, passte ganz wunderbar in die Kirche. 

Setliste: 

Þú ert sólin 
Þú ert jörðin 
Tomorrow's Song 
Hands, be still 
Only the wind 
Beth's Theme 
Gleypa Okkur 
We (too) shall rest 
The place was a shelter 
3326 
Brotsjór 
Words of Amber 
Undan Hulu 
Poland 
Near Light 
Ljósið 
Lag fyrir ömmu



The Postal Service, Barcelona, 23.05.13

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Konzert: The Postal Service
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 23.05.2013
Zuschauer: knallvolle Hauptbühne
Dauer: 60 min



Als wir gestern durch Barcelona gingen, fragten wir uns, wann dem Primavera Festival wohl die ganz großen Lineups ausgehen werden. In Barcelona spielen zwar Jahr für Jahr viele kleine Indieperlen, deren Stern gerade aufgeht oder aufgegangen ist, die Headline-Posten bekommen aber immer wieder große Bands, die etwas Besonderes sind. Die entweder selten spielen oder sich gerade wieder vereinigt haben. Pulp, Pavement, The Cure in den letzten Jahren, Blur, The Jesus and Mary Chain, My Bloody Valentine dieses Mal. Für die kommende Ausgabe fiel uns beim besten Willen nichts ein, was das Lineup noch einmal übertreffen könnte. Oasis wären ein Kandidat. Oder Elastica und Lush. Aber das ist reichlich an den Haaren herbeigezogen.

Allerdings würde ich keine Wetten darauf abschließen, daß den Veranstaltern auch niemand einfällt. 2012 hätte wohl keiner damit gerechnet, daß The Postal Service in Barcelona spielen würden, schließlich war die kurzlebige Band nicht für ihr exessives Touren bekannt. 

Tja, und heute abend spielten The Postal Service vor extrem erwartungsfrohen Massen und klangen, als hätten sie in den vergangenen zehn Jahren nichts anderes als Postal Service gemacht. Zu viert, Ben Gibbard, Joe Tamborello, Jenny Lewis und Laura Burhenn, spielten sie Stücke vom... ähh... Debütalbum Give Up, ein Cover und die beiden neuen Lieder A tattered line of string und Turn around - und es war wundervoll!


Nachher ausführlicher! Bitte wiederkommen!

Setlist The Postal Service, Primavera Festival, Barcelona:

01: The district sleeps tonight
02: We will become silhouettes
03: Sleeping in
04: Turn around
05: Nothing better
06: Recycled air
07: Be still my heart
08: Clark Gable
09: Our secret (Beat Happening Cover)
10: This place is a prison
11: A tattered line of string
12: Such great heights
13: Brand new colony


 

Konzerttagebuch © 2010

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