Mittwoch, 12. Mai 2010

Lisa Portelli & Ben's Symphonic Orchestra, Paris, 11.05.10


Lisa Portelli & Ben's Symphonic Orchestra (& DJ set Kid Loco)

Ort: L'International,Paris
Datum: 11.05.10
Zuschauer: etwa 350
Konzertdauer: Lisa ungefähr 40 Minuten, Ben circa 1 Stunde


Ich komme nicht umhin, mir verschmitzt ins Fäustchen zu lachen. Mein erstes Konzert außerhalb meiner eigenen vier Wände war ein voller Erfolg! Das International war regelrecht überlaufen. Oliver Peel ist nämlich jetzt Konzertveranstalter, you know? Unser Wohnzimmer ist mir zu klein geworden und darum dehne ich meine Aktivitäten nun auf andere Pariser Clubs aus. Aber nun genug geprahlt! Schließlich war ich nur Co-Organisator dieses Abends und meine Kumpel Vincent und Camille haben im Vorfeld deutlich mehr Flyer verteilt und Poster in der ganzen Stadt aufgehängt, um die Geschichte zu promoten. Unsere Unternehmung nennt sich Mon Petit Club und geplant ist zunächst ein Konzertabend pro Monat im International. Aber ich tu' auch was für mein Geld, das ich nicht kriege. Etliche Leute, die schon mit ihren Füßen durch mein Wohnzimmer gelatscht sind, waren heute auch da, weil ich sie mit einer reißerischen E-mail gelockt habe. Da das International aber eh keinen Eintritt kostet, hat sich das Kommen auch für sie gelohnt, denn vor allem Ben's Symphonic Orchestra rockten tierisch ab. Und Lisa Portelli sang auf französisch und das war auch cool.

Zum musikalischen Teil werde ich demnächst weiter ausholen, darf aber bereits jetzt voller Stolz verkünden, daß ich für den zweiten Mon Petit Club der am 26 Juli stattfinden wird, einen ganz dicken Fisch an Land gezogen haben. Keine Geringere als Mia Doi Todd wird an meinem Geburtstag dort aufspielen. Die Sache ist auf meinem Mist gewachsen! So!

Nun also noch einmal ausführlicher zu den einzelnen Künstlern:

Lisa Portelli: Von der jungen Französin mit dem italienischen Namen hatte ich bis vor Kurzem noch nie gehört. Die Künstler des heutigen Abends hatte mein Freund Vincent ausgesucht und er war es auch, der Lisa unbedingt am Start haben wollte. Und der gute Vincent hatte wahrlich keine Niete an Land gezogen, denn die 23 jährige Gitarristin mit der süßen Zahnlücke à la Vanessa Paradis machte ihre Sache ausgezeichnet. Das kleine Energiebündel war unglaublich drahtig, dynamisch und tatendurstig unterwegs. Ganz alleine mit ihrer weißen E-Gitarre erschienen, wirbelte sie etwa eine dreiviertel Stunde über die Bühne und trug samt und sonders auf französisch gesungene Lieder vor. Der Kleinmädchen - Charme, der von ihrer leicht infantilen Stimme ausging, wurde durch ihr bissiges Songwriting und ihr temperamentvolles Wesen konterkariert. Besonders gut gefiel mir der zweite Chanson ihres stimmungsvollen Sets. Les Chiens Dorment (die Hunde schlafen) bestach durch eine unwiderstehliche Gitarrenmelodie, die die rothaarige Französin mittels Sampeltechnik reproduzierte. Ihre Gestik war ausgeprägt und voller Theatralik riß sie ihre Hände in den Himmel und verzog dabei ihre süßen Mundwinkel. "Le vent souffle la vielle ronfle, l'horloge tourne, l'horloge tourne, les chiens doment sur la paille", sang sie herzallerliebst, bevor die Gitarren einsetzten.
Man hatte das Gefühl, daß ihr die Bühne zu klein wurde und sie gerne ausgebrochen wäre aus diesem Käfig, den sie ob der Glascheibe an der Seite als Aquarium bezeichnete. In einer Szene beklagte sie sich, daß heute ein Drummer fehle, um mehr Varianten bieten zu können, aber ihre Bedenken waren übertrieben. Auch so schaffte sie es, die meisten Zuhörer zu fesseln und auf ihre Seite zu ziehen. Mal sinnlich hauchend, mal wild keifend, arbeitete sie sich durch ihre melancholischen und sinnlichen Lieder, die von der Dramaturgie her an Dominque A erinnerten. Die meisten Stücke waren ziemlich rockig, aber gegen Ende kam mit L'echelle auch noch eine sehr schöne Ballade, die zum Besten gehörte, was am heutigen Abend geboten wurde.

Der Abschluß dann noch einmal fetzig. Bei Animal K zog Lisa sehr witzige Grimassen und ähnelte in dieser Hinsicht der durchgeknallten Camille. "Animal Kamikaze"- Kamikazetier, so das Thema des dramatischen Songs der noch einmal deutlich machte, daß Lisa viel Biss und Talent und sicherlich noch eine rosige Zukunft vor sich hat. Schließlich kommt das Debütalbum ja erst im Januar 2011. Bis dahin wird sie noch deutlich bekannter werden, soviel ist gewiss!

Setlist Lisa Portelli, L'International, Paris:


01: Deriére le mur
02: Les chiens dorment
03: Arbre en peine
04: Colonel
05: Dans L'air
06: L'horizon
07: Le tableau
08: Les chevaux de la reine
09: L'echelle
10: Animal K

Photos Lisa Portelli, klick!

Ben's Symphonic Orchestra: Mit Ben's Symphonic Orchestra standen im Anschluß an Lisa Portelli drei Raubeine auf dem Programm. Das Projekt um den kurzgeschorenen Sänger Benoit Rault ist in Pariser Indiekreisen schon ziemlich bekannt und so war es kein Wunder, daß bei einem Gratiskonzerte wie heute etliche Besucher das International bevölkerten. Ben sang und spielte Gitarre, wurde aber auch von Nicolas am Bass und Antoine am Schlagzeug, beide ansonsten bei Narrow Terence aktiv, tatkräftig untertstützt. Das Powertrio nahm fast eine Stunde lang den Fuß nicht vom Gaspedal. So rockig hatte ich das Ganze nach einem Hördurchlauf bei MySpace nicht erwartet! Es ging so richtig die Post ab und im Publikum war jede Menge Bewegung drin. Stilistisch einordnen konnte ich die Musik nicht wirklich, aber es schien mir offensichtlich, daß Benoit Pavement mag. Ansonsten war das alles sehr eigen und kam dennoch super an. Benoit Rault hat bereits zwei Alben veröffentlicht, Junk Shop 2001 und Drifting 2003 und von Drifting stammten mit Miss You, Nowhere Land und Rockets gleich mehrere Lieder. In der Mache ist allerdings bereits Platte Nummer drei, die in nicht allzuferner Zukunft erscheinen soll. Die Neufans vertrösteten sich unterdessen mit dem Kauf der alten Silberlinge, sie fanden reißenden Absatz und ein paar Groupies aus Russland verfolgten Ben's Symphonic Orchestra sogar noch in die Kabine, wo die Musiker mit uns Organistoren mit einem Gläschen Champagner auf den überaus gelungenen Abend anstießen. Cool war's! In der Rolle des Konzertveranstalters fühlte ich mich richtig wohl, als von mir aus kann das noch lange so weitgehen...



 

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